7. Bericht aus Afrika, 28. April 2006 Das erste Jahr meiner ehrenamtlichen Arbeit im Sudan geht zu Ende. In den letzten Wochen habe ich mit Hochdruck auf der Baustelle "meiner" Schule gearbeitet. Viele Schwierigkeiten und Hindernisse waren zu bewältigen, aber das Ziel die Gebäude für die beginnende Regenzeit mit ihren Dächern zu versehen ist fast erreicht worden. Leider fehlte mir vor meiner Abreise zum ersten Besuch zuhause eine Woche, um ganz fertig zu werden. Der Rest wird in diesen Tagen von den Zimmerleuten erledigt. Immerhin sind die Toiletten und die Küche bereits mit Dächern versehen und somit benutzbar, was deshalb besonders wichtig ist, weil dies die Bedingung des WFP der UN für die Versorgung der Schule mit Nahrungsmitteln (Emergency School Feeding) ist. Die tägliche Mahlzeit ist der wichtigste Anreiz für die Kinder für den Schulbesuch! Während der viermonatigen Schulferien fehlte diese Verpflegung ganz, nun, mit den neu errichteten Gebäuden, wird der Antrag der Schule beim WFP hoffentlich schnell bewilligt.
Neben
den üblichen Schwierigkeiten, die sich bei jedem Bauvorhaben ergeben, gab
es immer wieder aber auch solche Probleme zu lösen, die ihre Ursache
allein in der sehr eigenartigen Mentalität der Dinka haben. Wie oft sah
man Abraham, den Schulleiter, mit hängendem Kopf auf dem Weg zur Polizei,
um wieder einmal einen case" zu eröffnen, weil einer der Bauleute seine
Arbeiter nicht umgehend bezahlt hatte! Die Menschen leben wirklich von der
Hand in den Mund, und immer, wenn nach einer Abschlagszahlung durch mich
der Unternehmer seine Arbeiter nicht umgehend bezahlte, wurde diesem
gleich unterstellt sich mit dem Geld aus dem Staub gemacht zu haben. Der
Instinkt legt den Dinka dann spontan Rachegedanken nahe. Sowohl die Küche
als auch die Toiletten waren akut gefährdet als aus diesem Grund die
Arbeiter und die Frauen, die für den Wassertransport zuständig waren,
diese Gebäude zerstören wollten. Im Falle der Toiletten war der Fall
schnell geklärt. Der Chef der Bautruppe war nur deshalb nicht zur Arbeit
gekommen, weil seine Frau an dem Tag erkrankt war. Um das festzustellen,
hatte Abraham 7.000,- SP (sudanesische Pfund), was etwa 4 Tagesgehältern
eines Arbeiters entspricht, an die Polizei gezahlt.
Die Toiletten sind als erstes Gebäude praktisch ganz fertig inkl. Verputz und Estrich. Da das Schulgrundstück noch nicht umzäunt ist, habe ich noch keine Türen anfertigen lassen, denn die Erfahrung lehrt, dass diese umgehend nachts abmontiert und gestohlen werden würden. Der Sichtschutz ist weitgehend durch die Stellung der Wände gewährleistet. Allerdings stellt sich ein Problem, mit dem ich nicht gerechnet hatte! Sobald die noch verschlossenen Bodenöffnungen der Klos geöffnet werden, wird die Toilette von Allen in der weiteren Nachbarschaft benutzt. Es reduziert sich nicht nur die Nutzungsdauer der Toiletten dadurch sondern sicher bringt das auch größere Verunreinigung mit sich.
Einige Menschen sind in der Folge dieser Kämpfe gestorben, weil sie in ihrer Not Zement zur Zubereitung von Ungali, einem eigentlich aus Maismehl hart gekochten Brei/Teig, verwendet und gegessen hatten. Eklatante Ignoranz und existenzielle Not. Mit dem Bau der Schule, der ja noch nicht abgeschlossen ist (ein zweites Doppelklassenzimmer soll noch gebaut und die Gebäude sollen verputzt und angestrichen werden), habe ich einen Beitrag zur Entwicklung geleistet. Der Minister of Education sagte mir, 300 Schulen brauchte das Land, jetzt nur noch 299! Wenn ich wieder komme, werde ich weiter bauen, die erste Schule beenden und ein zweite beginnen, für die die ersten Planungen schon stehen.
Aus Rumbek mit herzlichen Grüßen, Martin Grütters
|
|||||||||||||||||||||||
|
Spendenkonto: Das Konto ist inzwischen geschlossen! Ganz herzlichen Dank noch einmal an alle, die zu den Projekten der vergangenen Jahre ihren Beitrag geleistet haben! |
|||||||||||||||||||||||
|
Die folgenden Links führen zu den weiteren Berichten: 1. Bericht aus Rumbek, 15. Mai 2005 (Die ersten Eindrücke) 2. Bericht aus Rumbek, 18. Juni 2005 (Hilfsprojekt für IDPs) 3. Bericht aus Rumbek, 21. August 2005 (Erstaunliches aus der Dinka-Kultur) 4. Bericht aus Rumbek, 20. Oktober 2005 (Über das Leben der Menschen in Rumbek) 5. Bericht aus Rumbek, 20. Dezember 2005 (Die Schule Mabor Ngap, Rumbek) 6. Bericht aus Rumbek, 05. März 2006 (Der Neubau der Schule Mabor Ngap, Rumbek) 8. Bericht aus Rumbek, 10. September 2006 (Nach dem Aufenthalt in Deutschland) 9. Bericht aus Rumbek, 01. November 2006 (Fortschritte bei der Projektarbeit) 10. Bericht aus Rumbek, 04.Februar 2007 (Langsamkeit als Therapie) 11. Bericht aus Rumbek, 31. Mai 2007 (Der Abschluss des zweiten Jahres) 12. Bericht aus Rumbek, 1. Dezember 2007 (Neuanfang als Selbständiger) 13. Bericht aus Rumbek, 22. März 2007 (Volldampf an den Baustellen) 14. Bericht aus Rumbek, 26. April 2007 (Langsamkeit und Stagnation) 15. Bericht über die Arbeit in Rumbek (Am Ende des dritten Jahres) 16. Bericht aus Rumbek, 01. März 2009 (Wiedereinleben zuhause in Rumbek) 17. Bericht aus Rumbek, 04. April 2009 (Sand im Getriebe) 18. Bericht aus Rumbek, 25.Juni 2009 (noch mehr Sand im Getriebe) 19. Bericht aus Rumbek, 20. Dezember 2009 (Das Ende ist nah!) 20. Bericht aus Rumbek, 31. März 2010 (Start der letzten Runde) 21. Bericht aus Rumbek, 04. September 2010 (Auf zum letzten Gefecht) 22. Bericht aus Rumbek, 12. Dezember 2010 (Wirklich der letzte?) | |||||||||||||||||||||||